
Eine verschlissene Jeans mit aufgerissenen Knien, ein grünes T-Shirt mit einem pixeligen Männchen, das Blitze schleudert, frisch geduscht und mit sauberen Füssen und Fingernägeln - ich bin wieder zurück "in der Zivilisation". Vor ein paar Stunden war ich noch mit Männern mit Bärten in des Geyers schwarzem Haufen auf hohem Berge unterwegs, war mit Irrlichtern auf Wanderschaft, habe - nota bene - zehn Orks unter den Toren mit dem Wakangasax erschlagen und wenn der Abend nahte mit rotem Wein im Becher bei der Lindenwirtin mit Adele den Geigentanz getanzt. Die Melodien gehen mir noch nicht aus dem Kopf, vorbei ist ein Trebeta-Lager, bei dem alles gestimmt hat. Man höre und staune: Sogar das Wetter hat mitgespielt, der Donnergott liess es sich zwar nicht nehmen an unserer Tafel Platz zu nehmen und erschien immer brav pünktlich zum Abendessen.

So wie dieser waren auch die übrigen Gäste einfach die besten, die wir hätten haben können, weil ihr genau wisst worauf es bei Trebeta ankommt:
"Hirn bitte am Eingang abgeben, wir stellen Sammelbehälter zur Verfügung. Bitte nehmen Sie Platz, die nächste Fahrt geht rückwärts!" - Ok, rückwärts ist dem ein oder anderen Magen nicht so gut bekommen, an dieser Stelle "Gute Besserung!" an die Fee. Ebenfalls zu Gast waren Miriaden von Fliegen und Bremsen, die tatsächlich etwas lästig waren. Allerdings nicht so lästig, wie die Zecke, die sich bei Felagunt an
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Stelle festgesetzt hat - hoffentlich ist sie jetzt erfolgreich entfernt worden, ohne dass größere Stücke abgeschnitten werden mussten!

Ein sehr besonderes Ereignis trug sich an einem Abend zu, als wir grade in gemütlicher Runde am Feuer saßen und uns Geschichten von vergangenen Schlachten erzählten. Zwischen dem prasselnden Feuer und dem plätschernden Bach hätten wir das leise Wimmern fast überhört, das von dem kleinen Nachen kam, der den Merlbach schnell abwärts trieb. Sofort verstummten die angeregten Gespräche und wir fischten das Bündel mit langen Stangen aus den Fluten. Wir trauten unseren Augen kaum, als wir das weinende Bündel an Land zogen: In graue, verschlissene Leinentücher eingehüllt lag darin ein bärtiger Mann von 52 Jahren und sagte:
"Hallo! Ich bin der Jupp!" Er wusste nicht viel von seiner Herkunft, kannte nicht seine Eltern und wusste nicht wo sein Heim war. Er wusste nur, dass er seit vielen Tagen in dem kleinen Boot auf dem Bach getrieben hatte mit nichts als einem Widderhorn voll Weizenkorn versorgt. Also sprach Sigi Herson:
"Du sollst fortan meinen Namen tragen, Jupp Segerson!" und so fand der Findling Jupp sein neues Heim bei den Wikingern vom Deisterwald und man hörte die Leute sagen, dass ihm damit eine große Ehre widerfahren sei - eine noch größere Ehre ist das für uns!

Jetzt schaue ich mir die
unzähligen Bilder von der letzten Woche an und mir fallen die vielen kleinen Geschichten ein: Metzger Ingo, der uns wie jedes Jahr mit der Sau versorgt hat, erschien am Mittwoch abend mit geschultertem Schwein, Flo vom
Metal Hammer war zu Gast um Videomaterial über die
Jomswikinger zu sammeln, Luis hat die ganze Woche Luftgitarre gespielt, Andrea und Marion kamen mit ihren Pferden vorbei und führten die Kinder damit ums Lager, Thomas präsentierte uns seine neue Rüstung und seinen neuen Titel "Ritter vom heiligen Radkreuz", Hvitur, Sigi und ich waren als Unterwäschemodells unterwegs, der Baldachin ist in einer Nacht nicht umgefallen, die Kinder haben einen Staudamm gebaut, den wir großen nicht besser hin bekommen hätten, Balla hat nachts den Opferaltar leer gefressen, ich bin dreimal in den Bach gefallen ("Das war Absicht!"), Perchta schnarcht manchmal ganz furchtbar und Wieland hat uns ein LAGER mitgebracht.

Am letzten Abend fand auch wieder der Skaldenwettbewerb statt. Sigi lobte eine Flasche seines selbstgemachten (und übrigens verdammt leckeren) Mets aus für den Skalden, der das kritische Publikum am besten unterhalte. Angesichts dessen herrschte am frühen Abend hektische Betriebsamkeit an den Schreibertischen und mit Einbruch der Dunkelheit versammelten sich alle an der Tafel vorm großen Feuer um den Vorträgen zu lauschen. Den Anfang machten die mutigsten unter uns: Die Kinder hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und dichteten und sangen für uns. Hätten wir über ihre Beiträge abgestimmt, wäre die Flasche Met sicher an die Kinder gegangen, aber dann hätten wieder alle Erwachsenen geweint. Also ging eine Flasche Apfelsaft (angeblich frisch unter den Armen gepresst) an jedes Kind. Im Anschluss erfreuten uns die fast genauso schönen Beiträge in der Kategorie "Verdammt-ich-will-den-Met-haben!", in der Schildbeissers Truppe mit einem Lobgesang auf...
uns!? knapper Sieger wurde und den Gewinn der Allgemeinheit und einem sehr gemütlichen letzten Abend zuführte.
Für mich war's das Highlight der Saison und ich bin dankbar für unsere tollen Gäste! Ihr habt uns gezeigt, dass wir's genau richtig machen und wir behaupten ganz unbescheiden: Ihr habt euch wohl gefühlt, Spass und ein paar schöne Tage gehabt - und damit macht ihr uns eine riesige Freude! Ich will keinen von euch im nächsten Jahr vermissen!
LAGER!
Bilder gibt's hier: http://picasaweb.google.com/trebeta/TrebetaLager2007