
Im "Prümer Landboten" (Heft 86/3/05) habe ich einen Text aus der heimatkundlichen Beilage der Trierischen Landzeitung vom März 1966 gefunden. Der Ahrweiler Heimatdichter Ernst Karl Plachner (* 06.09.1896, + 23.01.1982) erzählt über Cäsars Rachefeldzug in die Eifel. Interessant für alle, die noch ein paar Jahre vor
unsere Zeit reisen wollen.
"Gaius Julius Cäsar, der ebenso staatspolitisch wie militärisch geniale römische Feldherr, eroberte in der Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts, in jahrelangen Kriegszügen Gallien. Es umfasste ungefähr das heutige Frankreich, Belgien, Teile von Holland und dem linksrheinischem Deutschland, einen großen Teil der Schweiz und Oberitaliens. Er wollte - und das war vom römischen Blickpunkt aus voll verständlich - das ganze gewaltige Gebiet zu einem Wall gegen die Germanen ausbauen, deren vordringen den Römern große Sorgen machte. Cäsar beschloss sich daher, die bereits auf linksrheinischen Boden sesshaft oder nach Sesshaftigkeit strebenden Germanenstämme um der Sicherheit des römischen Imperiums willen zu vertreiben.
Die Germanen ihrerseits erblickten nun hierin verständlicherweise ein großes Unrecht. Längst, seit Jahrhunderten, saßen sie auch links des Rheines, waren doch z.B. die Treverer, südlich der berühmten Vinxtbachgrenze zwischen Ober- und Niedergermanien, den heutigen Kreisen Mayen und Ahrweiler, aus einer Blutmischung zwischen Germanen und Kelten hervorgegangen, davon die letzteren schon früher als die Germanen hier wohnten. Sogar der höchste Berg der Eifel, die „Hohe Acht“ kann seinen Namen auf das keltische „akaunon“ (Stein, Fels), daraus später „Achon“ wurde, zurückführen. Aber solche Erwägungen spielten für Cäsar keine Rolle. Etwas wie einen „Völkerbund“ oder dergleichen gab es in jener Zeit nicht. So musste also Gewalt auf Gewalt stoßen. Cäsar hatte bereits Dutzende gallische Führerpersönlichkeiten töten lassen, um das führerlose Volk untertänig zu machen. Ebenso war er gegen die Führer der beiden Germenenstämme der Usipier und Tenkterer vorgegangen, die den großen römischen Eroberer um Land für ihre Stämme baten. Unglücklicherweise wurde während der Verhandlungen im Waffenstillstand die Vorhut der römischen Truppen durch eine Abteilung germanischer Reiterei angegriffen und restlos niedergemacht. Er hatte ein geheimes Bündnis der
erhandelnder Fürsten mit den Galliern befürchtet, so dass der Angriff auf seine Vorhut ihm willkommener Anlass, zuzuschlagen war. Für uns ist es interessant zu wissen, dass die nicht am Kampf teilnehmende germanische Reiterei über die bis ins Trierer Gebiet führende „Kohlenstraße“ flüchtete. Die Vernichtungsschlacht hat im Gebiet der Moselmündung stattgefunden.
Ungefähr zwei Jahre später erhoben sich die germanischen Eburonen gegen die Römerherrschaft. Sie wohnten vom belgischen Maasgebiet durch die Eifel bis weit ins Ahrland hinein. Ihr junger und kühner Führer Ambiorix wollte ein Beispiel geben, wodurch die germanischen Bruderstämme mitgerissen werden sollten. Das Ziel war die endgültige Vernichtung der römischen Vorherrschaft. Er griff zu einer List. Cäsar ließ im Winter 54/ 53 v. Chr. anderthalb Legionen bei den Eburonen, denen er vertrauen zu können glaubte, Winterquartier beziehen. Sie griffen das römische Winterquartier im Maasgebiet an. Für die Römer kam der Angriff so unerwartet, dass sie trotz verzweifelt tapferster Gegenwehr niedergemacht wurden; selbst der Adlerträger viel. Nur wenige entkamen in den zum Teil noch urwaldartigen Gebieten der „Arduenna Silva“. Das von Ambiorix mutig und überlegt entfesselte Freiheitsfeuer zündete nicht. Allenthalben auf den Bergen von Belgien und Eifel, das Ahrland bis zum Rhein leuchteten zwar die Freiheitsfeuer als Zeichen des eburonischen Sieges, aber kein einziger Bruderstamm griff zu den Waffen. Die tapferen Eburonen blieben allein, und das wurde zu ihrem Verhängnis.
Cäsar, der immer entscheidender in die Politik Roms eingriff, weilte just in Rom, als Eilboten ihm die furchtbare Nachricht brachten. Selten soll seine Umgebung ihn so zornig gesehen haben; in seinen Augen war das, was geschehen war, Verrat. Er schwor grimmige Rache. Vor ihrer Vollendung werde er Haar und Bart nicht scheren lassen. Kein Name, keine Erinnerung sonst werde künftig vom Stamm der Eburonen übrig bleiben. Er brach seine Arbeit in Rom sofort ab, warf sich von Pferd auf Pferd und kam in Eilritten ins Rheinland zurück. Er bereitete persönlich den Kampf vor und leitete ihn auch. Im Frühjahr 53 zog er vom Neuwieder Becken über Mayen durch die Eifel bis in die Gegend von Lüttich.
Die Marschlinie war folgende: die alte Völkerstraße vom Rhein nach Mayen; von dort weiter auf der Wasserscheide von Netz und Eltz an Kürrenberg und Virneburg vorbei nach Kind, Boos, Hünerbach; dann auf der Wasserscheide von Ahr und Mosel zwischen Köttelbach und Moßbruch hindurch nach Boxberg, Dreis; von da über Hillesheim, Jünkerath, nördlich von Dahlem vorbei; über Neuhof Elsenborn nach Verviers in die Gegend von Lüttich. Bei Mayen hieß dieser Weg allgemein die „Lütticher Straße“, am Döhmberg bei Betteldorf und Dreis heißt er heute „Römerstraße“. Noch im Mittelalter und in der neuen Zeit war er Heer- und Handelsstraße.
Die von Cäsar vorausgesandte Reiterei sollte Ambiorix gefangen nehmen. Aber durch die Treue seiner Leute, die ihn als Helden der Befreiung auf ihre Schilde gehoben hatten, und genaue Kenntnis des dem Fremdling gefährlichen Wald- und mooreichen Landes entkam er. Er hatte in seinem Zorn wider Rom einen zwar aussichtslosen, aber trotzigen Kleinkrieg weitergeführt. Indessen gingen Cäsars Legionen an ein schauriges Vernichtungswerk. Sie „kämmten“ das eburonische Gebiet durch.
Weder Alter noch Geschlecht wurden geschont. Kinder und Greise verfielen dem Schwert des Rächers. Das Vieh wurde fortgetrieben, die Feldfrüchte abgemäht und verbrannt, auf die Gehöfte flog der rote Hahn. Schutt, Jammer, Elend, Grauen blieben der kleinen Zahl, die sich retten konnte. Wer es wagte, im nächsten Frühjahr aus Wälderdickicht und Höhlen die verödete Heimat wieder aufzusuchen, um neu zu bauen, was der Zorn des furchtbaren Rächers zerstört hatte, fand nur den Tod lauernd bereit; denn abermals hatte Cäsar den Ausrottungsbefehl gegeben, und wieder wütete weithin Brand und Mord. Die Blüte des Landes war jetzt buchstäblich vernichtet, Roms Macht auf Jahrhunderte gesichert. Das Land der Eburonen wurde auf Cäsars Befehl von einem anderen Germanenstamm, den Rom freundlich gesinnten Ubiern, besiedelt."
(Quelle: Ernst Karl Plachner in die Brücke, Heimatkundliche Beilage der Trierischen Landzeitung, März 1966, Seite 2)