
Wenn eine Stadt einen Mittelaltermarkt ausrichtet und das ganze als "Spectacel" (mit "c"!) bezeichnet, lässt das böses Ahnen. Bilder von Rittern mit Papphelmen, die sich von einer Fressbude zur nächsten schieben um später im Vollrausch "Odin!" zu brüllen drängen sich auf..

In dieser Hinsicht wurde man
in Bernkastel-Kues allerdings entäuscht. Als wir am frühen Samstag-Nachmittag in der Moselstadt ankamen, waren wir zwar zunächst noch ob der auf dem Fluss fahrenden, lebensgrossen Playmobil-Replik, die sich "Wikinger-Schiff" nannte, erschrocken, aber der erste Eindruck wurde auf dem Marktgelände schnell durch viele positive Eindrücke abgelöst.
Am Moselufer erwartete uns nämlich ein Markt, der darum bemüht war mit den bekannten Spectaculum-Conventionen zu brechen und dabei einfach freundlich wirkte. Das mag daran gelegen haben, dass es keine strikte Trennung zwischen Lager und Marktbuden gegeben hat, mit dem Effekt, dass die Besucher sich viel eher ins Lagerleben eingeladen fühlten. Ausserdem fehlte eine Pommes-Bude, eine Bratwurst konnte ich nicht entdecken und ganz wichtig: Ausnahmslos stimmige Marktstände ohne Plastikfolie. Das ganze garniert mit einigen Handwerkern, die auch wirklich etwas zu zeigen hatten.

Natürlich war fast jeder aus der Region, der Living-History macht, nach Bernkastel gereist um den neuen Markt in Augenschein zu nehmen, also konnte man an jeder Ecke bekannte Gesichter treffen. Bei der Schlacht trafen wie üblich Wikinger und Hochmittelgealterte aufeinander und boten - sorry Leute - leider eine entäuschende Show. Geplant war ein Manöver bei dem die Nordmänner auf dem Wikingerschiff über die Mosel kommen, ans Ufer springen und die dort warteten Homis metzeln - danach sah es zumindest für alle Unbeteiligten aus. Nachdem das Schiff zweimal vor der Landestelle gekreuzt hatte und immer noch niemand vom Boot gekommen war - anzulegen war an der ausgesuchten Stelle unmöglich - wurde es den wartenden Touris verständlicherweise zu langweilig und sie widmeten sich wieder dem normalen Markttreiben. Die eigentlich schön aufgebaute Spannung ging so einfach flöten, was besonders schade war, weil doch noch ein Angriff über den Landweg erfolgen sollte - dafür interessierten sich dann aber wesentlich weniger Leute als für die ausgefallene "Seeschlacht". Die Landschlacht an sich war schön geplant, der Berserker zur Eröffnung war klasse! Das Gehaue und Gesteche allerdings weniger. Was man dort zu sehen bekam, war in meinen Augen ein echter Rückschritt gegenüber dem, was bisher durch Schlachttrainings erreicht worden ist. Ich kann verstehen, dass man den Veranstalter nicht im Stich lassen will, aber wenn von vorne herein klar ist, dass zu viele Diletanten mitmischen (so ziemlich das erste was man uns beim Ankommen erzählte, war wie furchtbar das Training gelaufen sei), sollte man die Schlacht sein lassen - ihr tut euch keinen Gefallen, wenn ihr mit solchen Leuten spielt! Aber das hat mit dem Markt an sich nichts zu tun und ich hab jetzt auch genug gemeckert
Eine besondere Freude gab's noch, denn der Spanienreisende Thomas hat seine Tour unterbrochen und war auch beim Markt dabei. Wie der Abend endete ist also klar: Mit Gitarre, Gesang und Getrommel - Sorry an alle, die wir genervt haben
Bilder vom Markt gibt's
in der Galerie.