
Am Samstag geht's natürlich trotzdem schon früh los, am Nachmittag stehen bereits die Zelte, wir haben Holz am Platz und erfreulicherweise lässt sich die Sonne nicht durch den Wetterbericht einschüchtern sondern brennt uns auf den Pelz. Laughlin und Duncan kommen auf einen Kurzbesuch vorbei und die Abendstunden verstreichen mit Geschichten am Feuer.

Sonntags in der Frühe sind Laughlin und Duncan bereits wieder abgereist, aber wir können einen anderen, nicht minder hübschen Gast im Lager begrüsen. "Blackie", das Rindvieh, ist von der angrenzenden Weide ausgebüchst und kommt interessiert näher. Die neue Nachbarn muten ihr wahrscheinlich seltsam an - eine halbe Stunde steht sie einfach nur mitten im Lager und starrt uns an, was uns aber nicht weiter stört, schliesslich hatten wir "Blackie" bereits in der Nacht kennen gelernt, als sie um die Zelte geschlichen ist und Laughlin wachküssen wollte. Als wir dann aber einen Ring Fleischwurst grillen wittert Blackie Gefahr und verzieht sich zurück zur Herde.

Immernoch brennt die Sonne auf uns herunter - perfektes Wetter um einen Staudamm zu bauen! Die Merlbach (ja, "
die Bach") soll zu einem frühmittelalterlichen Swimmingpool angestaut werden. Da sind natürlich alle Kinder dabei und während Hvitur und Hella sich um das Gerüst aus Ästen kümmern, bringen Timo, Laura, Fabian und Leon unermüdlich Steine und Grassoden herbei um das Astwerk zu füllen. Nach wenigen Stunden steht der kleine Damm und das ausgespülte Becken beginnt sich zu füllen. Sigi und Hvitur nehmen ein erstes Bad - das Wasser ist noch empfindlich kalt.

Bisher waren wir absichtlich "zivil" unterwegs, weil das eigentliche Lager ja noch nicht begonnen hatte, aber nach und nach werfen wir uns dann doch in Gewandung.

Der Montag verläuft weitestgehend ohne besondere Ereignisse, es läuft das übliche Programm: Hier und da wird noch am Erscheinungsbild des Lagers gefeilt, ein Zaun aus Ästen gebaut (Blackie läuft noch frei rum) und Besorgungen müssen gemacht werden. Bemerkenswert ist vielleicht wie Hvitur den Tag verbracht hat:
"Mat Kneef schniggen!"

Da ich am Montag wie auch am Dienstag noch arbeiten musste, kann ich auch vom Dienstag wenig berichten. Als ich aber zurück ins Lager komme hat sich die Anzahl der Zelte drastisch erhöht. Familie Weber ist angekommen und baut auf. Drei Zelte stehen schon. Eins für Inea und Fjöllnir und die anderen beiden für das Brautpaar - Miriam und Peter wollen sich am Samstag bei uns trauen - und deren Gäste. Dabei ist auch der ganze Proviant für die Hochzeit, 60 Hühnerbeine, 6 Spiessbraten und einiges mehr haben aber inzwischen ein Übergangsdomizil in Segers Kühltruhe gefunden.

Der Mittwoch beginnt mit einem kräftigen Frühstück:
"Ich hab noch Schwenkis, die müssen weg!" Überhaupt leben wir wiedermal wie die Maus im Speck. In den unauthentischen Aufbautagen durften wir uns noch Bohnensuppe erlauben, aber seit gestern steht wieder Fleisch auf dem Speiseplan (die Uruk-Hai jubeln). Und es soll noch besser werden, denn Inea ist unterwegs um junge Brennesseln zu sammeln aus denen sie eine super Suppe für den Abend macht. Sigi feuert unter dessen die Esse an, die Kochstelle soll um eine weitere Stange ergänzt werden und das ist ja kein Problem für unseren Schmied. Wir anderen beschäftigen uns mit kleineren Werken. Hvitur baut Pfeile, ich eine Messerscheide, Diana näht eine Schürze und Hella ihren Finger an ein Stück Stoff.

Alrik und Thora sind heute angekommen und dank der Hilfe von Herrmanns Quad können sie ihr Gepäck noch nach unten befördern - ich hatte noch nicht erwähnt, dass die Sonne schlussendlich doch dem Wetterbericht gehorcht hat? Der hatte nämlich gemeint, dass es die ganze Woche regnen sollte und genauso ist's dann auch gekommen. Seit Montag regnet es Bindfäden - die zwar ab und an abreissen, aber dennoch den Boden unter unseren Füssen aufweichen und langsam aber sicher in eine riesige Schlammpfütze verwandeln. Vor allem ist aber die Zufahrt zu unserer Wiese betroffen. Der unbefestigte Weg ist sehr steil und mitlerweile vollkommen aufgeweicht. Die einzigen die hier noch fahren können sind Sigis Jeep, der John Deere meines Vaters und Herrmanns Quad. Letzeres war während der Woche sozusagen dauernd im Einsatz um den Transport auf dem letzten Wegstück zu übernehmen. An dieser Stelle vielen Dank an Herrmann!
Das führt aber natürlich auch zu einem anderen Punkt, der auf den Bildern wahrscheinlich schon aufgefallen ist: Die Authentizität hat unter dem Wetter gelitten. Nicht nur das Quad war immer in der Nähe, die Autos konnten auch nicht weg bewegt werden und es fällt schwer auf Plastikverpackungen für die Lebensmittel zu verzichten, wenn unter Leinentüchern alles aufweicht und man praktisch keine Möglichkeit hat Zucker und Salz im Trockenen zu lagern, geschweige denn in passendere Behältnisse umzufüllen. Und wenn eh schon überall Verpackungen zu sehen sind, ist's natürlich kein Kunststück noch Bierflaschen dazu zu stellen. Aber die meisten von euch werden ähnlich schlammige Erfahrungen ja bereits gemacht haben und vielleicht - genauso wie wir - ein Auge zudrücken.

Womit wir beim Donnerstag wären - und am Vatertag nehmen auch Thor und Odin eine Auszeit, da bleibt keine Zeit zum Gewittermachen. Am Donnerstag wird uns zur Abwechslung herrliches Wetter beschert und das ist auch bitter nötig, schliesslich soll heute wieder "die Sau gemacht werden".

Nachdem zunächst Holznachschub beigebracht wird, nimmt unser mitlerweile fünftes Spanferkel seinen Platz am Spiess ein. Die Arbeitsteilung beim drehen des Ferkels klappt wie immer hervorragend und als Alrik das fertig gegrillte Schwein schliesslich zerlegt freut sich eine Tafel voller hungriger Mäuler auf den Hochgenuss. Die Frauen haben dazu einige Fladenbrote gebacken und Krautsalat aufgetischt. Lecker! Wiedermal ist viel mehr Schwein da als man essen kann, und obwohl sich alle tüchtig plagen bleibt der Grossteil auf den Tischen stehen. Dummerweise bis zum morgen. Und dummerweise bricht der Baldachin in der Nacht unter der Last des heftigen Regens zusammen, wodurch das Fleisch "gewässert" wird. Über einen Grossteil dürfen sich also am nächsten morgen die Tiere des Waldes freuen.

Es regnet also wieder am Freitag. Was aber kein Grund ist Trübsal zu blasen, man muss nicht nur immer wieder einreden, dass das schön sei, dann funktioniert das schon. Vor allem aber muss man den eigenen Gaumen verwöhnen oder verwöhnen lassen, und das hat Inea am Freitag mit ihrer Schmorgurken und Fisch Suppe getan. "Schmorgurken und Fisch" - Klingt komisch ist aber lecker und Schmorgurken schmecken übrigens ganz anders als Zucchini

Am frühen Freitagabend traf das besondere Highlight des Abends im Lager ein. Paulemanns Band "
Berry Vest" hatte Freude daran zu uns ins Lager zu kommen und uns mit ihrer Musik zu unterhalten. Paulemann war schon öfter bei uns dabei und wir haben so manche Nacht mit ihm durchgetrommelt. Auch die meisten anderen Bandmitglieder sind gute alte Bekannte, so war es nicht schwer sie für ein Gastspiel zu gewinnen. Mit "Unplugged" Ausrüstung spielten uns Stefan, Bettina, Achim und Jochen am Feuer ihr Repertoire von eigenen Songs und vielen Prog-Rock Klassikern. Und auch wenn das vollkommen unauthentisch ist - mal was anderes als die ewig gleichen (Pseudo-)Mittelalterlieder am Feuer zu haben ist einfach schön. Besonders wenn's so intensiv dargeboten wird. Wir und alle Gäste waren auf jeden Fall hellauf begeistert. Vielen Dank an Berry Vest!
Nach dem Konzert der vier ist der Abend natürlich noch nicht zu Ende, sondern jetzt führt zunächst Sigi Herson durchs Programm und bei seinen Liedern singen alle mit (so gut sie können). Natürlich dürfen Klaus' ("Kloos") Abenteuer auch nicht fehlen und Silja greift zur Gitarre um mit uns bis tief in die Nacht zu singen. Da werden meine Erinnerungen zwar langsam lückenhaft, aber ich kann mich noch ganz genau an einige sehr schöne Lieder erinnern. Respekt auch an Silja!

So schön der Freitag geendet hat, so schwer beginnt der Samstag, denn es gilt eine Entscheidung zu treffen. Peter und Miriam wollen mittelalterlich heiraten, es gilt zu entscheiden ob die Feier statt findet. Aber keine Angst, ob überhaupt geheiratet wird steht nicht zur Debatte - das ist längst standesamtlich entschieden - vielmehr macht das Wetter dem Brautpaar zu schaffen. Der Platz ist mittlerweile eine Sule, ein Ende des andauernden Regens ist nicht in Sicht. Unter den geladenen Gästen sind zudem nicht nur junge Hüpfer, sondern auch der ein oder andere, für den der Abstieg zur Festwiese sehr abenteuerlich werden würde. Nicht zuletzt steht die Frage im Raum ob man den Hochzeitstag tropfnass verbringen und als eine dreckige Angelegenheit in Erinnerung behalten möchte. Nach reiflicher Überlegung sagen die beiden ab und beginnen zu telefonieren. Das vorbereitete Buffet schlummert derweil noch in der Gefriertruhe auf dem Stützpunkt aber die Unterbringung des bestellten Spanferkels bereitet Sorgen. Als Ingo das Ferkel am frühen Mittag anliefert will Fjölnir es denn direkt in die heimische Truhe nach Schweich bringen, aber Ingo bietet an es fachmännisch zu zerkleinern und in seine eigenes Niflheim aufzunehmen. Wirklich sehr nett, vielen Dank Ingo!
Die großen Probleme des Vormittags sind also überwunden und es kann ein weiterer schöner Lagertag folgen. Und apropos Schwein: Vom Donnerstagsferkel sind ja noch Reste da und die gibt's heute zum Mittag. Kleingeschnitten, im Topf gebraten und mit Kohl gekocht - das kam letztes Jahr schon gut an und auch diesmal bleibt kaum was übrig.

Gestärkt üben sich Sigi und Timo nachmittags im Schwertkampf und so langsam zeigt sich, dass der Sohn dem Vater demnächst Nachhilfestunden geben wird. Unschön war die abgebrochene Schwertspitze, die zum Glück niemanden ernsthaft verletzte, sondern Sigi nur einen kleinen Kratzer verpasste. Ragnar sah's optimistisch:
"Die Spitze ist schön hart. Daraus mach ich dir ein prima Messer!"

Am Mittag treffen dann noch drei weitere Lageristen ein: Angus und Gabelbart mit Freundin ('tschuldigung, Namen vergessen) stossen zu uns. Die problematische Wetterlage sofort erkennend, ist Angus nicht faul und gräbt eine provisorische Treppe in den steilen Hang um anschliessend ein Zelt mit kompletter Inneneinrichtung (inklusive Bett) nach unten zu schleppen und dann noch einen Wassergraben rundherum zu graben. Wohlgemerkt, das war am Samstag, also der ganze Aufwand für nur eine einzige Nacht. Respekt, Respekt!
Einige unverwüstliche Freunde des Brautpaars sind übrigens ebenfalls trotz des Wetters angereist und bereichern die Feier am Abend - denn auch im Regen und ohne echte Hochzeit können wir ausgelassen sein.

Der Sonntag, als der letzte Lagertag, ist wie immer auch der Abbautag und weil's im Schlamm anstrengender als im Trockenen ist, beginnen alle recht früh damit. Den Transport der Kisten, Bretter und Stangen übernimmt zum Grossteil wieder Herrmann mit dem Quad, mein eigenes Auto laden wir voll und ziehen es in einer ekligen Rutschpartie mit dem Traktor nach oben. Nachdem auch Webers' Anhänger mit dem Traktor hochgezogen worden ist, ist der Weg dann gar nicht mehr befahrbar und wir brechen ab um den Rest am Montag aufzuräumen.

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Zusammengefasst würde ich sagen, dass dieses Lager schöner war als alles was wir im letzten Jahr hatten. Die Bedingungen waren denkbar schlecht. Wir mussten viel Zeit unter den Baldachinen verbringen um uns nicht den Tod zu holen. Wir mussten die meiste Zeit mit nassen Füssen laufen. Die gesamte Ausrüstung war nach wenigen Tagen komplett eingesaut. Kopfweh, Halsschmerzen und Husten haben viele geplagt. Und trotzdem war es ein total entspanntes Lager ohne Streit, ohne große Probleme und ohne hässliche Zwischenfälle. Alle haben sich gesagt, dass man das beste daraus machen muss und das haben alle sehr gut geschafft. Von daher nochmal ein Danke an alle die da waren, uns von Trebeta hat's einen riesen Spass gemacht!
Es gibt natürlich jede Menge Bilder: